«Kärchern = Reinigen»
… und nicht nur mit Wasser und Hochdruck! – Die Schweizer Niederlassung des wortgebenden Konzerns feiert ihren 60. Geburtstag. 1966 mit drei Mann begonnen, engagieren sich heute 165 Mitarbeitende bei der Kärcher AG für eine saubere Schweiz.
Erschienen in der perspective im Mai 2026
Dieser Artikel ist Teil der Serie «Stimme aus der Branche». Hier kommen Expertinnen und Experten aus der Branche persönlich zu Wort. Sie geben Einblick in branchenspezifische Entwicklungen oder nehmen Stellung zu aktuellen Themen, was zu einem besseren Verständnis der Branchenmechanismen und zur allgemeinen Innovationsförderung beiträgt.
Managing Director Karl Steiner erklärt, warum «kärchern» für ihn weit mehr bedeutet als Wasser mit 150 bar zu verspritzen.
Die Marke Kärcher hat sich in der Schweiz seit den 70er-Jahren eindrücklich entwickelt. Wer bei «Kärcher» zunächst an Hochdruckreiniger denkt, liegt nicht falsch. Das Verb «kärchern» hat es in diesem Sinne bekanntlich in deutsche und französische Standardwerke geschafft. Heute greift die gängige Interpretation allerdings zu kurz. Denn aus Sicht von Karl Steiner steht «kärchern» für «reinigen» schlechthin. Für ein Spezialgebiet mit vielen Untersparten, das sich dem Zeitgeist immer wieder anpasst: «Reinigen heisst Pflegen, und damit Werte erhalten. In ökologisch sensiblen Zeiten ist Dauerhaftigkeit für viele Menschen wichtig.»
Herr Steiner, seit 60 Jahren ist Kärcher im Schweizer Markt präsent. Was fällt in der Rückschau zuerst auf?
Vorab der Wandel, vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten. Die Marke ist weltweit und in der Schweiz stark gewachsen. In der Sortimentsbreite, bei den Innovationen und damit bei den Stückzahlen. Daneben ist mir unser Gesamtkonzept wichtig: Wir verkaufen nicht nur Geräte, sondern bieten Beratung, halten Ersatzteile lange vor und reparieren, was immer möglich ist. Unser Kunde erwirbt also nicht nur ein Gerät, sondern ein Gesamtpaket von Leistungen und Werten. Damit profilieren wir uns in einem Markt, der zunehmend von Produkten ohne jeden Unterbau geprägt ist. Die Devise «Kaufen – Anwenden – Wegwerfen» ist nicht unser Ding.
Warum?
Wir glauben an eine nachhaltige Wirtschaft und leben sie auch – täglich und überall. Fast alle unsere Produkte verbrauchen Strom und/oder Wasser und damit Energie und Ressourcen. Aber: Mit einem Wasserschlauch und Leitungsdruck zu spritzen benötigt fünfmal mehr Wasser als eine Hochdruckreinigung. Und das Ergebnis lässt in der Regel zu wünschen übrig. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren die Leistungsaufnahmen und Wasserverbräuche konsequent optimiert. Zudem sehen wir dank effizienter Elektrotechnik immer weniger benzinbetriebene Hochdruckreiniger.
«Von weltweit 17 000 Mitarbeitenden im Konzern
sind über 1000 in F + E tätig. Das spricht für sich.»
Karl Steiner, Managing Director, Kärcher AG, Dällikon
Der Zeitgeist verlangt generelle Sorgfalt, nicht nur bei Wasser, Strom und Benzin.
Ja, Kärcher setzt teilweise bis zu 60 % rezyklierte Kunststoffe ein. Und wir forschen intensiv zu Roboteranwendungen, nicht zuletzt mit Blick auf den Fachkräftemangel. Ich spreche hier von Reinigungsgeräten, die grössere Flächen völlig autonom reinigen, inklusive Zu- und Abwasserhandling und Chemikaliendosierung. Das sind zwei unserer Antworten auf den Zeitgeist.
Maschinen müssen hergestellt werden, bevor sie ökologisch arbeiten.
Die Herstellung einer Scheuersaugmaschine macht weniger als 5 % vom gesamten Fussabdruck eines solchen Geräts aus. Der grosse Hebel liegt beim Verbrauch.
Und sie müssen verkauft werden …
Ja, wir arbeiten in der Schweiz mit über 150 guten Fachhändlern zusammen. Sie sind unser Rückgrat im Markt, besonders für Profi-Geräte. Das eingangs besprochene Gesamtpaket an Leistungen beinhaltet auch eine hochstehende Kundenbetreuung. Damit meine ich das spezialisierte Beratungs- und Servicewissen, mit dem unsere Partnerhändler die Endkunden begleiten. Wir halten dieses Wissen mit Schulungen aktuell und machen damit den Fachhandel für seine Kunden attraktiv.
Kann ein Händler das ganze Sortiment überhaupt verstehen und überzeugend vertreten?
Bei Profigeräten ist die Beratung in der Tat anspruchsvoll. Sie ist aber machbar, wenn sich ein Händler konsequent für diesen einen Weg entscheidet. Das verlangt eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Kundensituation und die regelmässige Teilnahme an den Schulungen. Am besten kann beraten, wer das Produkt selbst angewendet hat.
Wie würden Sie einem angehenden Facility Manager das Thema «Reinigen» umschreiben?
Professionell reinigen ist genauso interessant wie komplex. Die Vielfalt von Materialien und Oberflächen, von Verschmutzungen und chemischen Zusammenhängen, von Reinigungsmitteln und mechanischen Möglichkeiten machen es zusammen mit der ökologischen Verantwortung zur anspruchsvollen Daueraufgabe. Reinigen ist keine exakte Wissenschaft mit definierten Standards und universellen Formeln. Es verlangt individuelle Lösungen und führt zu Ergebnissen, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich erlebt und bewertet werden. Eines aber gilt generell und überall: Sauberkeit macht Freude!
Das steht ausser Frage! Vielen Dank für Ihre Ausführungen.
Beitrag von Andreas Grünholz